Die Kosten der Fast fashion

Kleidung ist für uns wie eine zweite Haut, die wir uns aussuchen. Wir kommunizieren wer wir sind über das was wir tragen. Was kommunizieren wir eigentlich unbewusst, wenn wir Fast Fashion tragen?

Modeindustrie – damals und heute:

Vor ca. 100 Jahren noch war Kleidung eine Investition, die man sogar zum Pfandleiher bringen konnte. Vor ca. 50 Jahren noch gab es vier Kollektionen: Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Seit ca. 20 Jahren produzieren die großen Modehäuser 52(!) Kollektionen – jede Woche kommt etwas Neues in den Laden. Die Modeindustrie wird immer schnelllebiger. Was steckt eigentlich hinter dem Schlagwort „Fast-Fashion“?

Produktionsbedingungen:

In den 10960er Jahren wurden noch ca. 90% der Kleidung für den amerikanischen Markt in Amerika produziert. Heute sind es nur noch ca. 3% – die restlichen 97% werden in Entwicklungsländern, wie zum Beispiel Sri Lanka, Kambodscha und  China produziert. 

Je stärker die Produktion ausgelagert wird, desto billiger wird die Kleidung, die wir tragen. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Produktionskosten sinken, sondern an der immer weiter steigenden Macht der großen Modeketten, die einfach woanders hin wandern, wenn ein Produzent den Preis nicht halten kann.

Die Textilproduzenten können die Produktionspreise nur unter einer Bedingung niedrig halten: Indem sie ihre Arbeiter unter menschenunwürdigen, unsicheren Bedingungen zu Löhnen weit unter der Armutsgrenze anstellen.

Rohstoffe:

Baumwolle ist der wichtigste Rohstoff für die Textilindustrie. Das Land, auf dem die Baumwolle wächst, wird wie eine riesige Fabrik behandelt.

Texas ist der weltweit größte Baumwollproduzent. 80% der in Texas angebauten Baumwolle ist genetisch modifiziert. Die Baumwollpflanzen werden zudem mit Pestiziden und mit chemischen Düngemitteln behandelt, um Schädlinge zu bekämpfen und das Wachstum der Pflanzen zu steigern

Dies hat nicht nur Auswirkungen auf den Boden und die dort lebenden Mikrobakterien, sondern auch auf die Menschen, die den Boden bewirtschaften. Punjab ist eines der größten Baumwollanbaugebiete Indiens. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und chemischen Düngemitteln ist die Anzahl der Geburtsfehler und Krebserkrankungen auf dramatische Weise gestiegen.

Müllberge:

Alleine in Deutschland entstehen jedes Jahr 1 Mio. Tonnen Textilmüll. Das entspricht fast 5kg Textilmüll pro Kopf.

Dies führt zu immer stärker wachsenden Müllbergen. Der Großteil davon ist nicht biologisch abbaubar und liegt dort 200 Jahre während giftige Gase in die Atmosphäre entweichen.

Der Großteil der gesammelten Altkleidung wird in Entwicklungsländer transportiert, wo sich die Kleidung immer mehr auftürmt, weil es viel zu viel davon gibt. Nur ein kleiner Teil des Textilabfalls wird recycelt.

Auswirkungen von Konsum auf unsere Psyche:

Wenn all die bisher gebrachten Argumente nichts bewirken, lasst uns noch darüber nachdenken, was der steigende Konsum mit uns selbst macht. 

Die Werbung suggeriert uns oft, dass unsere Probleme durch den Konsum eines bestimmten Produktes gelöst werden.

Wir konsumieren um 400% mehr Modeprodukte als noch vor 20 Jahren. Die zunehmende Menge an jährlich konsumierter Mode macht uns jedoch nicht zufriedener – ganz im Gegenteil. Je mehr wir uns auf den Konsum konzentrieren, desto unzufriedener werden wir.

In aller Kürze kann man also festhalten, dass Fast Fashion auf verschiedenen Ebenen schädlich für unsere gesamte Gesellschaft ist:

  • Die Bedingungen unter denen der Großteil der Mode produziert wir sind menschenunwürdig
  • Die Gewinnung der Rohstoffe ist gesundheitsschädlich
  • Textilmüll lässt die Müllberge immer weiter wachsen
  • Die zunehmende Menge an jährlich konsumierter Mode macht uns unzufrieden

Wollen wir das wirklich?

Mode ist von einem GE-brauchsgegenstand zu einen VER-brauchsgegenstand geworden. Wenn wir etwas nicht mehr brauchen, schmeißen wir es einfach weg – weil es so billig war.

Mode sollte kein Wegwerfprodukt sein!