Ist die Zukunft der Modebranche nachhaltig?

Es gibt viele verschiedene Ansätze, die Modebranche nachhaltiger zu gestalten. Diese setzen an folgenden Punkten an: Material Innovation, Business Model Innovation und Consumer Experience. Alle greifen ineinander und zielen darauf ab, die durch die Modebranche verursachten CO2 Emissionen zu reduzieren. Ich möchte euch die verschiedenen Ansätze in diesem Blog kurz vorstellen.

Material Innovation: Die CO2 Emissionen können generell durch den Anbau von Bio Baumwolle oder Bio Flachs (Leinen) reduziert werden. Spannend wird es im Bereich der Materialgewinnung beim Thema Circular Supply Chain. Dazu zählen Recycling und Upcycling von bestehendem Material. Die im Jahr 2017 entwickelte Garment-to-Garment Recycling Maschine (https://www.garment2garment.com/) ermöglicht ein völlig automatisiertes Recycling in 8 Schritten – vom ausrangierten zum neuen Kleidungsstück. Diese wird von der H&M Gruppe in einem Store in Stockholm eingesetzt.  Beim Upcycling (englisch up „nach oben“) werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt. Mehr dazu findest du im Blogbeitrag „Was ist Upcycling Mode?“ 

Die Business Model Innovationen gehen in zwei Richtungen: Einerseits sollen Ressourcen geschont werden, andererseits zielen diese auf geändertes KonsumentInnenverhalten ab. Produkte sollen so lange wie möglich erhalten bleiben, bevor sie recycled und in neue Produkte verwandelt werden – auch bekannt unter dem Schlagwort „Kreislaufwirtschaft“. Konkrete Ansätze sind digitale Plattformen zum Wiederverkauf oder zum Vermieten von Kleidung. 

Fast 40% der Kleidung wird zu reduzierten Preisen verkauft. Deshalb sollen neue Business Modelle genauer auf die Bedürfnisse der KundInnen abgestimmt sein. Durch  algorithmischen Handel und den Einsatz von Artificial Intelligence (AI) können wir die Bedürfnisse der KundInnen besser verstehen lernen. Dadurch wird es zunehmend möglich, die richtigen Produkte in der richtigen Menge am richtigen Ort zu verkaufen.

Consumer Experience / Circular products: Um es in den Worten von Li Edelkoort auszudrücken: „Wir müssen wieder eine Beziehung zu unserer Kleidung aufbauen.“ Die Digitalisierung der Kleidung kann wichtige Informationen liefern wie zum Beispiel: Wo wurde das Kleidungsstück hergestellt? Aus welchem Material besteht es? Wie viel CO2 wurde durch die Produktion verursacht? Wer hat das Kleidungsstück hergestellt? Der Einsatz von Product ID kann zudem KundInnen dabei unterstützen, Kleidung zu tauschen, zu teilen oder einfach nur zu zeigen. All das kann zur Veränderung der Beziehung zu unserer Kleidung führen. 

Ein weiteres Mittel ist der Einsatz von 3D Full Body Scans. Damit können ModekundInnen ihre genauen Maße scannen. Neue Kollektionen können in Zukunft direkt am Avatar des KundInnen gezeigt werden, wodurch weniger Retouren und höhere KundInnenzufriedenheit erzielt werden können.

Es bedarf in Zukunft einer Konvergenz zwischen digitalen und der zirkulären Innovationen, sodass es für KundInnen einfacher wird, neue Verhaltensweisen zu entwickeln und eine neue Beziehung zu Kleidung aufzubauen. Die Verantwortung liegt jedoch auch bei uns HerstellerInnen. Die Innovationen helfen uns dabei, nachhaltig zu wirtschaften und besser auf die Bedürfnisse unserer KundInnen einzugehen.